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Überarbeitung der [MATRIX]-NAVIGATIONSTAFEL

 

„Wer den Himmel auf Erden sucht,

hat im Erdkundeunterricht geschlafen."

Stanislav Lec (1909-1966)


Durch die veränderten Um-Welt-Bedingungen musste die Meta-Theorie des [MATRIX]-Modells zur Biographieanalyse und Biographieberatung den sich rasant verändernden Außenwelt-Bedingungen angepasst werden. Im psychosozialen Feld wird überwiegend auf der Basis von Meta-Theorien operiert, die aus Epochen mit völlig anderen Außenweltbedingungen stammen, als man sie heute vorfindet. Mit Hilfe dieser Meta-Theorien (bspw. Radikaler u. Sozialer Konstruktivismus, Luhmannscher-Funktionalismus) können in der heutigen Paradigmen Konkurrenz nicht länger hilfreiche Landkarten oder Welterklärungen erzeugt werden, die zu einer Übersicht erzeugenden Orientierung und Navigation beitragen. Über die veränderten Umweltbedingungen und deren Einfluss auf Biographie und Lebenswelt wurde in den Latest News mehrfach berichtet:
2015
Repolitisierung von Therapie und Beratung
Entpolitisierte Lehrbücher, Verlage und Berufsverbände. Andere Modelle. Psychopolitik. Sudelbuch des systemischen Neoliberalismus. Kommunikative Stilblüten eines Jargons der Eigentlichkeit. Von der Resilienz zur Rebellienzstärkung. Der Fall Roger Willemsen?
2014
Wandel bei den Auftrags- und Zielklärungsprozessen. Lokalpolitische Erfahrungen in meiner Heimatstadt und deren Zusammenhänge mit dem Wandel der Auftragslagen.
2013
Rebellienz als erkenntnisstiftendes Instrument im Rahmen der Kohärenz.

2011

Kunst im Park des mli. Theoretischer Abriss zur [MATRIX]-Kategorie Locus amoenus dem lieblichen Ort.

 

Politökonomische Studien
Zu (m)einem fundierten tiefenstrukturellen Verständnis der veränderten politischen Umweltbedingungen und den daraus hervorgehenden Angriffen auf die Lebenswelten der Bundesbürger habe ich in den letzten drei Jahren einige politökonomische Studien getrieben. Das war zwar ein scheinbarer zeit- und energieraubender (Um-)Weg, der sich aber als äußerst nützlich erwiesen hat.

Ein Auslöser der politökonomischen Studien
Neben meinen klinischen Beobachtungen über die veränderte Auftrags- und Zielklärungen meiner Mandanten und Organisationen wurden diese politökonomischen Studien durch den engagierten Kampf gegen ein weiteres Shopping-Center in meiner Heimatstadt Plettenberg aktiv beschleunigt. Dazu ging im Dezember 2012 das Forum zukunft-plettenberg.de online. In diesem Forum habe ich ca. 400 Artikel über Shopping-Center, Stadtentwicklung, Strukturprobleme von Klein- und Mittelstädten, Kritik der lokalen repräsentativen Minderheit (‘satte‘ 39% Wahlbeteiligung im Frühjahr 2014) geschrieben, Literatur
, Filme und weitere Materialien gesammelt und mich mit anderen critical-citizens in meiner Heimatstadt organisiert. Was sich die repräsentative Minderheit der etablierten Politik seit dieser Zeit öffentlich anhören muss, hat das politische Klima der Stadt signifikant verändert. Die etablierte Politik (und die rückwärtsgewandte ‘Heimat‘-Zeitung des parteipolitischen Establishments) hat die Deutungshoheit über das politische Geschehen unwiderruflich verloren.

Folgen der Studien
Das neue [MATRIX]-Modell ist in seiner Wirkung wesentlich effektiver geworden, da es jetzt mit einer expliziten politischen Meta-Theorie (jenseits von Parteipolitik) auf die politischen Angriffe auf die Lebenswelten der Klientel und Mandantschaft reagieren und beraten kann. Die Klientel meldet zurück, dass diese meta-theoretische ‘Welterklärung‘ bzgl. politökonomischer Zusammenhänge von entlastender Orientierungsstiftung mit hohem Navigationswert für die Bewältigung ihres alltäglichen Lebens ist. Gleichwohl werden diese politisch und wirtschaftlichen „Alltagsanalysen“ (je nach der Ausgangslage des Mandanten) zunächst als mehr oder weniger beunruhigend und verstörend erlebt. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass diese Meta-Theorie kein projektives Produkt meines ‘depressiven‘ Magengrimmens nach dem Mittagstisch ist, sondern auf seriösen und wissenschaftlich (geo-)politischen, umweltpolitischen, finanz- und zukunftspolitischen Analysen der unterschiedlichsten transdisziplinären Wissenschaften beruht. Der Begriff Megamaschine wurde von Fabian Scheidler übernommen.

Die Erhebung der biographischen Grundinformationen im [MATRIX]-Modell ist gleich geblieben, ergänzt durch die Möglichkeit, für den beruflichen Kontext das empirisch sehr klopffeste Arbeitsbewältigungsradar von Juri Illmarinen (einer der global renomierteren Arbeitsforscher) einzubeziehen. Die Veränderungen wurden im Teil des [META-MATRIX]-Modells vorgenommen. Es handelt sich um die Optiken, mit denen man auf die Welt schaut. Früher nannte man das den gesellschaftlichen Überbau.


Schlüsselstrategien heutiger Lebensentwürfe?
Auf dem Weg von der Risiko- in die Weltrisikogesellschaft mit Wirtschafts-, Währungs-, Banken-, (Staats-)Schulden, Rentenkrise, Terrorattacken einerseits und Totalüberwachung durch die Schnüffelstaaten und Dienste andererseits sowie einer allseitigen Bedrohung der Biosphäre, deutet die Flüchtlingskrise die große globale Unruhe an. Diese (noch) zivile Vorhut größerer Migrationswanderungen prallt nicht länger an Europa und insbesondere Deutschland, als eine Insel der Glückseligen in der stürmischen See der globalen Umwälzungen, ab. Die BRD  ist ein sehr kleines Land mitten drin.

Den neuen globalen Herausforderungen und ihren Auswirkungen kann man nicht mehr mit einer (radikal-sozial-)konstruktivistischen Meta-Theorie begegnen, deren (anti-?) bürgerlicher Held ein neutraler Beobachter ist. Die neue Weltlage verlangt gesellschaftspolitische Akteure. Es gilt deshalb, folgende unabdingbare und scheinbar widersprüchliche Schlüsselstrategien zu realisieren:


1. Die Lage der Risiken ist klar zu sehen und ‘realistisch‘ einzuschätzen
In der Welt des Turbokapitalismus werden die kollektiven von der Politik und den Industriekonzernen verursachten Risiken auf die Einzelbürger abgewälzt. VW, ADAC, DFB, FIFA und viele andere grüßen ‘herzlich‘ aus dem Raubtierkapitalismus mit eingebautem Korruptions- und Betrugsmodul. Das Motto „Vorsprung durch Technik“ wurde durch „Vorsprung durch Vortäuschung“ abgelöst.  Das Motto der Multioptionsgesellschaft „Nichts ist unmöglich!“ erfährt neue zynisch aufgeladene Bedeutungsinhalte. In der Seven-Sisters-Welt werden mit politischer Hilfe die Gewinne der Wenigen individualisiert, während deren Verluste für die Vielen kollektiviert werden. Von den Wirtschafts-, Währungs- und Schuldenkrisen bis zu Umweltrisiken verletzt der Staat damit den gesellschaftlichen Grundvertrag: Staatlicher Schutz des Bürgers gegen Gewaltverzicht und Steuerpflicht des Bürgers. Dadurch werden die Besitzstandsänderungen und Angriffe auf die Lebenswelten der Bürger seitens der etablierten Parteien politisch organisiert.


2. Die persönlichen positive vibrations sind unter allen Umständen aufrechtzuerhalten bzw. herzustellen
Die persönliche Resilienz ist vor Resilienzsklerotisierung zu schützen, sie ist täglich zu pflegen und  durch stärkende, anti-fragile Strukturen weiter elastisch zu imprägnieren. Hier gilt der (Luther falsch zugeschriebene) Optimismus: „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“


3. Strategiewechsel von Resilienz zu Rebellienz
Ist eine biographische Kohärenzgestalt nicht mehr realisierbar, ist ein Strategiewechsel vorzunehmen. Ausgehend von der negativen Identitätsdefinition von Michel Foucault: „Wir müssen nicht entdecken, was wir sind, sondern was wir uns weigern zu sein“, hat das bis zu diesem Zeitpunkt überfällige biographische Nein-Sagen einzusetzen. Dem ehemals frei- und gutwilligen Mitspielen ist eine Absage zu erteilen. Albert Camus hat bspw. eine intelligente Philosophie der Revolte geschrieben. Die Aufrufe von Stéphane Hessel und vielen Anderen gehen in die gleiche Richtung. Dem Personal der etablierten Politik ist (bis auf ganz wenige Ausnahmen) kein weiteres Vertrauen zu schenken (bzw. wer das tut, soll sich bitte hinterher weder wundern noch beschweren).

Das erklärte Ziel des neuen [META-MATRIX]-Modells
ist eine repolitisierte Theorie und Praxis von Therapie, (Organisations-)Beratung und Coaching. Das soll in den einzelnen Anwendungsbereichen ermöglichen, diese beiden nur scheinbar widersprüchlichen Schlüsselstrategien fest zu installieren. Denn im Laufe meiner Studien konnte ich den sog. politisch organisierten Seven-Sisters-Komplex destillieren:
Neoliberalismus, Postdemokratie, Governance, Privatisierung, Lobbyismus, Big Data, Mediokratie

 

Willkommen in interessanten Zeiten?
Diesen Komplex habe ich deshalb als Seven-Sisters benannt. Damit wird Bezug genommen auf die kriminellen Machenschaften der früheren sieben großen Ölkonzerne, den sog. Super-Majors. Noch leben wir im Erdölzeitalter, denn auch im angeblichen Informationszeitalter funktioniert (leider) nichts ohne (fossile) Energie. Zumal sich die kriegerischen Konflikte des ersten Weltkriegs um die europäischen Kohleressourcen über die Transitionsphase des zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Kriegsziel der Ölfelder in Vorderasien nun zu den Ölfeldern des Nahen Ostens und in Vorderasien verlagert haben. Während sich gleichzeitig das seit Kolumbus stabile Weltzentrum aus dem europäisch-atlantischen Raum in das pazifische Becken verschiebt. Geopolitisch geht es um die zukünftige Entscheidung zwischen einer uni-, bi-, tri- oder multipolaren Welt.

Die Verknüpfung von mega- und mikrogesellschaftlichen Ebenen
Nun gilt es in der Beratung, die Lücken zwischen den gesellschaftlichen Mega-Entwicklungen, dem Alltagsleben und der alltäglichen (klinischen) Beratungspraxis zu schließen. Die tägliche klinische Praxis ist von den Beschwerden der Mandanten gekennzeichnet, die u.a. durch die alltäglichen Angriffe auf die Lebenswelten bedingt sind. Es geht um eine Anwendungs- und Umsetzungspraxis des bekannten Motto's: „Think global, act local.“ Wie macht man das in einer disruptiven und verantwortungsdefraktionierten Welt? Einer Welt, in der die Entscheider und Verursacher für lokale, regionale und nationale Probleme häufig auf der anderen Seite eines Weltmeeres zu suchen und zu finden sind, aber bestens abgeschottet und geschützt im 120ten Stockwerk sitzen.

 

Psychologisierung und/oder Politisierung?

Hier wird zukünftig zwischen einer gerechtfertigten und einer ungerechtfertigten Psychologisierung der Probleme der Mandantschaft zu unterscheiden sein. Welche der Probleme gehören politisiert und bei welchen fährt man zielgerichteter mit der alten Psychologisierung von Problemen und Beschwerden. M.a.W. auf welche Lösungen und Veränderungen hat das Individuum noch Einfluss und welche sind durch Gesellschaft, Arbeitswelt, Postpolitik und die Seven-Sisters verursacht? Gegen welche hat sich das Individuum oder Nahbeziehungsgruppen wie zur Wehr zu setzen?
Wie soll das schon durch Probleme, Beschwerden und durch Angriffe auf seine Lebenswelt geschwächte Individuum darauf reagieren? Außer durch Neuroenhancer und Psychopharmaka und etwas positiv konnotierende Attributionsveränderungspsychotherapie. Redekuren, die aus Selbstregulation, Selbstsorge, Selbstwirksamkeit,  Selbstbeobachtung, Optimismus, positiver Affektlage, Well-Being-Gequatsche und posttraumatischem Wachstum mit Achtsamkeit bestehen? Diese Selbst(optimierungs)modelle für entpolitisierte Einerseits-Andererseits-Akrobaten hören sich an wie der Einkaufszettel in einer Ego-Shooter-Boutique.

 

Was soll und kann das neue [META-MATRIX]-Modell an Alternativen leisten?

Und vor allem was und wie kann das [META-MATRIX]-Modell den Mandanten bei einer Neudefinition eines biographischen Narrativen  helfen, das von konsistenter Kohärenz zusammengehalten wird. Bei dem die Zeitdimensionen  Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eingeschlossen eine sinn- und identitätsstiftende Erzählung konstruiert werden kann, die zur Salutogenese, Resilienz und wo nötig effektiver Rebellienz führen. Dabei helfen nicht nur positive Emotionen, sondern auch die Kraft der negativen Emotionen wie bspw. Zorn. Das skandinavische Kino hat den wunderbaren Spielfilm die „Kunst des negativen Denkens“ hervorgebracht.

Die negativen Seinsbestimmungen von Foucault bis Sloterdijk u.v.a.m. helfen dabei,  biographische konsistente Kohärenz herzustellen, es sei denn, man hat sich von den Konzepten Kohärenz und Konsistenz verabschiedet. Aber welche Konzepte dann? Konsistente Kohärenz die nicht nur auf das Verhalten, sondern auch auf den gesellschaftlichen Kontext rückwirkt und dabei hilft, die Angriffe auf die Lebenswelt(en) effektiv abzuwehren, die positive vibrations aufrecht zu erhalten, (wieder)herzustellen und anti-fragil zu imprägnieren.  Darum geht es u.a. auf den folgenden wissenschaftlichen Veranstaltungen. Der zuvor erwähnte Film zeigt, wie es den positive Thinkern ergehen kann.

Oder man macht es ganz einfach so wie Heinz v. Foerster: Man erklärt die ganze Welt (mit ein bisschen neurotheologischem Geschwurbel) zu einer subjektivistischen Konstruktion und wird zum eitlen Broterwerb Kostgänger bei der CIA und vergisst, diese Konstruktion zu erwähnen (s.u. Dokumentarfilm: Das Netz).

 

 

Vorträge, Seminare, Workshops auf Fachkongressen 2016

Modell einer biographiebasierten Kurzzeitberatung

Vortrag auf dem Biographiefaktorkongress München 06.-07. Mai 2016

 

Seit 1984 bis heute wurde das [MATRIX]-Modell zur Biographieanalyse und Biographieberatung in sechs Epochen entwickelt. Dieses umfassende Biographieverfahren wird von den Mandanten auf dreißig Dimensionen durch bildschöpfende Analysemethoden über die Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vorbereitet. Diese biographische Selbstdokumentation wird als [MATRIX] bezeichnet, in der neben der Oberflächenstruktur auch die entscheidenden Tiefenstrukturen einer Biographie enthalten sind.

Diese biographischen Selbst-Dokumentationen beinhalten psycho-, familien- und bildungsdynamische Dimensionen ebenso wie physische Parameter, Vermögens- und Wohnangelegenheiten sowie die beruflichen Dimensionen bis zu gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen.

In einer Synopsis werden diese Dimensionen analysiert und in einer abschließenden Verschreibung zu einem handlungsleitenden Möglichkeitsraum für die zukünftige Gestaltung der Biographie verdichtet.

Dieser Vortrag stellt das Modell, seine Möglichkeiten und Grenzen dar.

 

 

Bildschöpfende Methoden zur Erzeugung von biographischen Zukunftsszenarien

Workshop auf dem Biographiefaktorkongress München 06.-07. Mai 2016

 

Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, wird in diesem Workshop die bildschöpfende Methode der Symbolisation zur Anfertigung zukunftsbezogener Biographieszenarien demonstriert.

Ebenso werden entschlüsselnde Explorationsmethoden der Symbolisationen aus der Installationsbewegung in der Kunst, der Spaziergangswissenschaft (Strollology) aus der Psycho- und Humangeographie vorgestellt. Diese schulenübergreifenden Analysemethoden der Participation Mystique, wie hypnotische Identifikation, Lokomotion, Introjektion, Illustration, Montage und Juxtaposition zur intuitiven „Begehung“ der „psychischen Innenräume“, werden ebenso wie die Methode des ‘Groken‘ aus der Science Fiction und Software-Programmierung als Handwerkszeug zum Tiefenverstehen biographischer Metastrukturen dargestellt.

 

 

Good Vibrations bei Angriffen auf die Lebenswelt?

Von der Resilienz zur Rebellienz oder zur Repolitisierung von Therapie, Beratung und Coaching

Workshop auf der 16. wissenschaftlichen DGSF-Tagung Frankfurt vom 22.-24. September 2016

 

Die systemischen Schlüsselbegriffe „Kontext und Metakommunikation" bedeuteten früher Entschlüsselungen von Herrschaftsverhältnissen anhand von Kommunikation, Strukturen, Kulturen, informeller, struktureller oder offensichtlicher Gewalt und Aufklärung über die politökonomischen Profiteure. Der Kommunikationsforscher H.D. Lasswell definierte „Politics is who gets what, when, where and how." Heute sind die obigen Begriffe entpolitisiert. Politische Kontext- und Metakommunikationsanalysen scheinen nicht nur tabuisiert, sondern:

Die „Seven-Sisters" des globalen Zeitalters aus: Neoliberalismus, Postdemokratie, Governance, Mediokratie, Big Data, Privatisierung und Lobbyismus werden als alternativlose Sachzwänge (TINA-Politik) dargestellt. In ihrer Folge hat eine totale Ökonomisierung nicht nur von der Arbeitswelt durch Arbeitsbeschleunigung, -verdichtung, -kontrolle, sondern auch von allen anderen Lebens- und Umweltbereichen (Kommodifizierung) Besitz ergriffen.

Reaktive Depressionen, Erschöpfungszustände und Burnout sind ebenso im rasanten Vormarsch wie psychopharmakologische Medikationen und Substanzen des Neuroenhancements zur Stabilisierung des Leistungsniveaus. Psychologische Beratungsmodelle stoßen aufgrund der Folgen dieser TINA-Politik an die Grenzen ihrer Interventionsmöglichkeiten.

Wie kann man sich dieser geplanten, gewollten, umfassenden und frechen Angriffe auf die Arbeits- und Lebenswelten erwehren? Welche Möglichkeiten gibt es, gegen diesen Sound der Sachzwänge sowohl die eigene als auch die Anti-Fragilität der Mandanten auf dem langen Marsch von der Resilienz zur Rebellienz vor Sklerotisierung zu schützen, ihre Elastizität zu reetablieren, auszubauen und so zu stärken, dass man dabei von Good Vibrations erfüllt ist und sich gegen Angriffe auf die Lebenswelten zur Wehr setzen kann?

Dieser Workshop gibt Ausblicke auf repolitisierte Theorien und Modelle sowie Einblicke in biographiebasierte Beratungspraxis mit bildschöpfenden Verfahren.


Inhalte:
Wie, wann und warum (m)eine Repolitisierung von Therapie, Beratung und Coaching begann?
Kurze Übersicht zu den Seven-Sisters im globalisierten Zeitalter.
Von der Resilienz zu biographischen Kohärenz-Modellen mit Hilfe von Rebellienz.
Welche Resilienz- und Rebellienzstrategien und Taktiken haben sich als wirksam erwiesen?
Modelle und Fälle einer repolitisierten Beratungspraxis

 

 

Jenseits des systemischen Pointillismus
Biographische Kohärenz durch Rebellienz-Konzepte für Therapie, Beratung und Coaching

DIE KRAFT DES ZWEIFELNS
Wissenschaftliches Symposion von Familiendynamik, HIfSFT und igst

Heidelberg 13.-15.10. 2016

 

Der Pointillismus war eine detailversessene Strömung des Impressionismus, der die Kunst verwissenschaftlichen wollte und dadurch die Darstellung der großen gesellschaftlichen Zusammenhänge aus den Augen verlor und sich als malerische Erfindung der Freizeit bezeichnen ließe.

Sind systemische Theorie und Pragmatik nicht in eine ähnliche entpolitisierte Sackgasse geraten? Und sind nicht mehr als berechtigte Zweifel angebracht, ob das systemische Berufsfeld nicht selbst zu einem verdeckten Handlanger des Seven-Sisters-Komplex aus Neoliberalismus, Postdemokratie, Governance, Privatisierung, Lobbyismus, Big Data, Mediokratie geworden ist?

Ursprünglich ging systemisches  Denken und Handeln mit Batesons Doppelbindungstheorie von Zusammenhangsvermutungen zwischen Kommunikation und  Macht- und Herrschaftsprivilegien aus, die durch Meta-Kommunikation und Kontextanalysen hinterfragt und aufgelöst werden sollten.

Derzeitige systemische Meta-Theorien, wie der Luhmansche Funktionalismus und der individualisierte Subjektivismus des radikalen und sozialen Konstruktivismus scheinen sich eher durch allverstehende und allakzeptierende standpunktbefreite Ambivalenz-Akrobatik eines Einerseits-Andererseits-Quietismus auszuzeichnen. Sind diese Meta-Theorien noch in der Lage, die Ursachen der disrupten, strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen angemessen zu beschreiben und die vielfältigen Angriffe auf die Lebenswelten der Bürger abzuwehren?

Für den amerikanische Wirtschaftshistoriker P. Mirowski waren der zeitparallele Aufstieg des radikalen Konstruktivismus und des Neoliberalismus kein Zufall, sondern nur zwei Seiten der gleichen Medaille zur ideologischen Rechtfertigung der angepassten Ich-Jagden des eigenen Selbst in den sog. Multioptionsgesellschaften. Mit der Folge von Milliardenschäden in den Volkswirtschaften durch explodierende Fehlzeiten, die durch depressive Erschöpfungs-syndrome verursacht werden, die man durch Psychopharmaka und Neuroenhancer auszugleichen versucht.

Was ist gegen all dies zu tun?

Systemische Therapie, Beratung und Coaching müssen im Anschluss an historisch-sozio-psychologische Zeitströmungen, wie die politische Sexologie (W. Reich) und die kritische Psychologie (K. Holzkamp et. al.) u.v.a.m. dringend repolitisiert  werden. Es braucht nicht länger neutrale Beobachter, die den kapitalgesteuerten Wandel moderieren, sondern gesellschaftspolitische Akteure, die gegen den Seven-Sisters-Komplex Partei ergreifen. Akteure, die Konzepte für die transzendental Obdachlosen, die Ausgebrannten, die Ausgegrenzten, die Alten, die Armen, die Schwachen, die Kranken  und für eine humane Lebens- und Arbeitswelt liefern. Kurzum für alle und alles, das der Beschleunigung der gesellschaftlichen Totalkommodifizierung nicht mehr gewachsen ist.

Das neue Konzept der „unbezahlbaren Kohärenz“ und das Habituskonzept des französischen Soziologen Bourdieu u.a.m. liefern Möglichkeiten zur emanzipativen Erweiterung  von Resilienzkonzepten in der Biographie und Lebensweltberatung. Damit können individuelle anti-fragile, elastische Schutzmäntel aus Rebellienz-gewebe maßgeschneidert werden.

In diesem Seminar liegt der Schwerpunkt in der verständlichen Darstellung theoretischer Grundbausteine und pragmatischer Modell-Komponenten einer neuen, emanzipativen, repolitisierten systemischen Meta-Theorie jenseits des systemischen Lösungs-Pointillismus.

 

Wurde Heinz von Foerster von der CIA finanziert?
Dokumentarfilm: Das Netz

ist ein sehenswerter Dokumentarfilm von Lutz Dammbeck, der schon im Jahr 2004 erschienen ist. Der Film hat Themen, wie den Zusammenhang von Kunst und Wissenschaft, Computern, die Entstehung des Internets sowie den sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Wandel und politische Machtfragen. Es wird auch die interessante Frage diskutiert, wie viel Widerstand von welcher Machart ist gegen die technische Zivilisation legitim, wenn möglw. auch nicht legal. Den Film gibt es mittlerweile auf Youtube.

Die derzeit aktuelle Aufklärung zum Ende der Megamaschine der technischen Zivilisation wird heute von Fabian Scheidler adressiert. (Fabian Scheidler ist übrigens Sprecher auf dem DGSF-Kongress im September in Frankfurt.)

In dem Film werden interessante Aspekte der Megamaschine in Verbindung gebracht und dadurch aufgedeckt. U.a. wird Heinz von Foerster, ein Säulenheiliger der systemischen Theorie (Kybernetik zweiter Ordnung, radikaler Konstruktivismus), mit seinem lebenslangen finanziellen Verhaftetsein im militärisch-industriellen Komplex geoutet. Das hat „unser Heinz“ natürlich immer vergessen zu erzählen und hat lieber aufgetischt, wie er Humberto Maturana als ein Opfer des chilenischen Militärputsches aus Chile gerettet hat. Dass Maturana natürlich das Opfer von Foersters Geldgebern war, wird erst durch den Film „Das Netz“ klar und deutlich. Kein Wunder, dass Tatsachen für Heinz immer nur beobachterabhängige Konstruktionen ohne Wahrheitsgehalt und -anspruch waren.

 

Der Film ist nach meinem Wissen im systemischen Feld bisher und vermutlich aus den zuvor erwähnten Gründen nicht zu einer „Standardintervention“ der theoretischen „Grundversorgung“ geworden, was bedauerlich ist.