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Instrumente zur Gesprächssteuerung
Intuition
Exploration Navigation

 

 

Beim ersten Zuhören richtet das Lebewesen sein Hören auf Indizien;
nichts unterscheidet auf dieser Ebene das Tier vom Mensch:

Der Wolf horcht auf das (mögliche) Geräusch im Walde,

der Hase auf das (mögliche) Geräusch des Feindes,

das Kind, der Verliebte horchen auf die näher kommenden Schritte,

die vielleicht die der Mutter oder des geliebten Wesen sind.

Das erste Zuhören ist sozusagen ein Alarm.

Das zweite ist ein Entziffern; was man man mit dem Ohr zu erfassen sucht, sind Zeichen.

Hier beginnt vermutlich das Menschliche:
Ich höre zu, wie ich lese, das heißt nach bestimmten Codes.

Roland Barthes, Der Körper der Musik (1964)

 

 

Nach unserer überdreißigjährigen Theorie und Praxis mit Stimmanalyse haben wir (Niklas Trüstedt und Peter-W. Gester) 2008, 2009, 2010 und 2016 eine Neuauflage dieses Seminartyps gemacht. 2017 setzen wir diese Tradition weiter fort. Wir haben die Stimmanalyse während dieser langen Periode der Zusammenarbeit entwickelt.


Unsere Stimmanalysemodelle gehen von folgenden Zentralhypothesen aus:

Das Obertonprofil der Stimme ist der zeitstabile akustische Fingerabdruck eines Menschen.
Die zwei Hauptanalyseparameter einer Stimme liegen im kurz- und im langwelligen Frequenzbereich.
Kurzwellig: Oberton bzw. Formantenprofil einer Stimme. Langwellig: Körperresonanzstruktur einer Stimme.
Die Stimme kann man als die akustisch geronnene Persönlichkeits-, Körpererfahrungs- und Biographiestruktur einer Person verstehen.


Stimmanalytische Fähigkeiten fördern inhaltsunabhängig die Intuition, Exploration, Navigation, Hypothesenbildung und Prozesssteuerung in jeder Art von Gesprächen. Die in der Ericksonschen Hypnotherapie so geschätzten "Minimal Cues" beinhalten inhaltsarme Steuerungshinweise im Vergleich zu den Intuitions-, Explorations- und Navigationshypothesen, die man aus der Stimmanalyse ableiten kann, wenn man weiß, wie es geht. Hierfür werden wir in diesem Seminar die Ohren öffnen, die theoretischen Grundlagen erläutern sowie Übungsbeispiele und Trainingsmethoden darstellen.

 

Da die Stimmanalyse weder eine Hokuspokus Methode noch ein Voodoo Verfahren ist, sondern auf solidem Handwerk in der akustischen Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit beruht, wird sie am einfachsten durch wiederholt angewandtes Üben erlangt und verbessert. Deshalb darf man sich von diesem nur dreitägigen Seminar im Fach Stimmanalyse keine Wunderkur versprechen. Aber es werden auf jeden Fall Türen zu völlig neuen Wahrnehmungsräumen aufgeschlossen und neue Horizonte in der akustischen Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit durch vielfältige Beispiele demonstriert, durchgespielt und angeregt.

Als Beispiele dienen, soweit gewünscht, die Stimmen der SeminarteilnehmerInnen. Oder, durch eine kurzes Fingertippen auf einem Touchscreen steht blitzschnell eine von über 8.000 Stimmen aus dem Schallarchiv des mli als "akustische Konserve" für eine Analyse zur Verfügung. Die älteste Aufzeichnung im mli-Stimmarchiv geht auf das Jahr 1888 zurück, dies ist eine unter vielen anderen Raritäten. Im mli Schallarchiv sind Stimm- und Musikbeispiele, die in vier Jahrzeiten gesammelt wurden, mit moderner Digitaltechnik in maximaler Auflösung und höchster Qualität gespeichert.

Dieses Jahr werden wir uns im theoretischen Teil u.a. mit den gesellschaftspolitischen Entstehungesbedingungen von sog. ‘modernen Stimmen‘ und Stimmen von Politikern beschäftigen. Durch welche Umweltbedingungen in den unterschiedlichen Kontextweiten entstehen diese Stimmen, was ist ihre Funktion und Charakteristik?

 

Musikalische Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Notenlesen, das Bedienen eines Instruments oder das Singen in einem Chor usw. - schaden zwar nie - sind jedoch keine Voraussetzung für dieses Seminar und zur Erlangung stimmanalytischer Fähigkeiten.

 

Bericht von den Stimmanalyseseminaren 2008 und 2009

Das meinen TeilnehmerInnen zur Stimmanalyse 2008

 

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Termine:

 

 

 

Zeit:
Beginn   1.Tag: 10.00 Uhr
Ende    3.Tag: ca. 16.00 Uhr

 

Seminarleitung: Peter-W. Gester & Niklas Trüstedt


Teilnahmegebühr:
€ 590,-- Die Teilnehmerzahl ist auf zehn TeilnehmerInnen begrenzt.


Niklas Trüstedt,

geb. 1944, stammt aus einer Künstlerfamilie (Vater Schriftsteller, Onkel Bildhauer), als Jungstudent studierte er Gambe und Blockflöte, dann Theologie, Musikwissenschaften und Pädagogik. Er war aktiv an der 68er Studentenbewegung beteiligt und arbeitete - auf dem langen Marsch durch die Institutionen - viele Jahre als einfacher Fabrikarbeiter. Danach hat er das Handwerk der alten Musik wieder aufgenommen. Er hat ein großes diskographisches und kompositorisches Werk.
Er war Dozent an der Universität der Künste in Berlin und an der Hochschule für Musik, Carl Maria von Weber in Dresden.

 

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