8. Sieben starke Felder der Risikofolgenabschätzung
8.1. Geopolitik
8.2. Recht & Gesetz
8.3. Ökonomie
8.4. Ökologie
8.5. Technik
8.6. Migration
8.7. Religion
8.8. Mediokratie
Hierbei ist zu bedenken, dass die acht Risikofelder nicht isoliert und einzeln für sich nebeneinanderstehen, sondern durch starke Wechselwirkungen dergestalt aufeinander reagieren, dass ihre (vmtl. insgesamt negativen) Gesamtauswirkungen mehr sind als die Summe ihrer Teile und dass Sie mindestens durch eine Auswirkungs-Addition, wenn nicht sogar durch eine Auswirkungs-Multiplikation oder Auswirkungs-Quadrierung zu einander in Beziehung zu setzen sind.
 

8.1. Risikofeld: Geopolitik
In der Geopolitik kann man eine Verschiebung des jahrhunderte vorherrschenden Zentrums  aus dem europäisch-transatlantisch-(nord-)amerikanischen Raumes in das neue Zentrum des asiatisch-pazifisch-amerikanischen Raumes feststellen.
Ferner stellt sich die Frage mit welcher Geschwindigkeit die monopolare Aurichtung der ‘Pax americana‘ von einer tri- oder multipolaren Ausrichtung (USA-China-Europa-Russland) abgelöst wird und welche mittel- und langfristigen Folgen das haben wird.
Ein weiteres Thema ist die multikontinentale Ressourcen-Sicherung (fossile Energien, Erze, Metalle, Wasser & Ackerland), sowie die heutige Gegenerreichbarkeit durch Migratioinsströme.
Werden diese Prozesse und wird eine Neue Welt Ordnung friedlich bleiben oder wird das in welche, größeren Kriege der Zukunft münden?
Siehe dazu auch die Nachrichten zum Thema ‘Geopolitik‘ im Bereich ‘Manifesto‘.
 

8.2. Risikofeld: Recht § Gesetz

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“
Ignazio Silone

Wer mit Carl Schmitt Plettenberg als Heimatstadt teilt für den ist die prekäre Lage von Recht & Gesetz einerseits ein vertrautes, andererseits ein äusserst beunruhigendes Beobachtungsfeld. Die gesetzgebenden Entscheidungsprozeße werden immer häufiger, immer schneller und immer undurchschaubarer aus ihrer angestammten Sphäre der gewählten Parlamentarier auf andere außerparlamentarische Entscheidungsfelder verlagert. Diese Verlagerungen scheint nicht zufällig, sondern politisch gewollt, geplant, systematisch gesteuert und strukturell gewollt abzulaufen. Giorgia Agamben sieht die nicht länger rechtskonforme Ausnahme zu einem konformen Dauerzustand werden.
Jens Gnisa der Vorsitzende des deutschen Richterbundes spricht von Vollzugsdefiziten und einer Erosion des Rechtsstaates, kleinere Gerichte klagen über eine strukturelle Überlastung, miserable Ausstattung und viel zu lange Fristen bei Urteilsfindungen. H. Seehofer beklagte 2016 bzgl. der Flüchtlingskrise eine Herrschaft des Unrechts. Der Verfassungsspezialist Ulrich Vosgerau spricht von einer Desertion des Verfassungsgerichts und selbst Jens Spahn kritisiert die strukturellen Probleme des Rechtsstaates, während die EU (ausgerechnet die) Deutschland bescheinigt kein Rechtsstaat mehr zu sein, andere diagnostizieren eine Bürokratie des Komplizierten.
So ist es kein Wunder, dass das Vertrauen der Deutschen in ‘ihren‘ Rechtsstaat rasant abnimmt. Eine Wende zum Besseren scheint auf absehbare Zeit nicht in Sicht zu sein, sondern es hat sich unter großen Mühen eine stetig, steigende Unzufriedenheit bei allen Beteiligten und eine zunehmende Mangelverwaltung auf den unterschiedlichen Justizfelder ergeben.
 

8.3. Risikofeld: Ökonomie
Abriß der jüngeren Geschichte der Ökonomie

Im August 1971 schaffte R. Nixon den Goldstandard des US Dollars ab, da die Kosten des Vietnam Krieges den US Dollar als stabile, goldgedeckte Papier- und Ankerwährung überforderten. Das führte 1973 zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems. Gleichzeitig kann im September 1973 der Beginn der weltweiten, neoliberalen Wende mit Pinochets Putsch in Chile gegen S. Alliende verortet werden. Diese Initialzündung der neoliberalen Ökonomisierungen durch die Chicago Boys führten auf der globalen Ebene über die Wirtschaftspolitik von R. Reagan und  M. Thatcher in England (There is no such thing as society) u.a. zur 2000-er Dotcom-Blase und zum Börsen-Crash von 2008.

Die Folgen der Krisen von 2000 und 2008
Die daraus abgeleitete Rettung ‘systemrelevanter Banken‘ auf Kosten der Bürger, außerhalb der parlamentarischen Gesetzgebung und die chronisch weiter anschwellenden Staats- und Währungskrisen führten ohne grundsätzliche Veränderungen in der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin von der sozialen zu einer asozialen Marktwirtschaft disrutptiver Veränderungen mit einem überdehnten Gini-Koeffizienten, der Ungleichverteilungen abbildet. In Verbindung mit dem weitergültigen Glaubensbekenntnis einer ungehemmten Wirtschftswachstumsreligion (Oikodizee) und einem ungebremsten Ressourcenverbrauches schwillt die Kapitalismuskritik zunehmend an.

Die Prognosen
Neben führenden Ökonomen, wie  Max OtteMarkus KrallDaniel Stelter, Friedrich & Weik warnt nun auch zum wiederholte Mal Felix Hufeld von der Bafin vor einer Instabilität der Finanzsysteme. Es wird bis 2023 ein Mega-Crash der Finanzsysteme prognostiziert zu dem im Vergleich der Börsen Crash von 2008 ein laues Lüftchen gewesen sein soll.

Die Folgen für Beratungsprozesse
Ob nun die Lösung dieser Probleme in weniger oder sogar mehr Kapitalismus oder einer völlig anderen Wirtschaftsordnung liegt, sind auch Psychotherapeuten und insbesondere Organisationsberater gut beraten sich bzgl. ökonomischer Fragestellungen und Zusammenhänge, sowie deren Auswirkung auf die Lebenswelten ihrer Mandanten (und ihrer eigenen Biographie) sachkundig zu machen, ökonomisches Wissen zu bevorraten und ihre Lebenswelten mgl. krisenfest auszurichten.

Langfristige Folgen und Zyklen
Wie bspw. die aktuellen politischen Entwicklungen in Chile zeigen, wirken die Interventionen der Chicago Boys aus dem Jahr 1973 bis heute nach.
 

8.4. Risikofeld: Ökologie & Klima
Ökologie könnte man als den Gegenpol zur Ökonomie auffassen. Seit dem Jahr 2000 spricht man vom Anthropozän. In diesem neuen Zeitalter steht es um die globale Ökologie aufgrund menschengemachter Eingriffe nicht zum Besten und die ‘Schöpfung‘ ist auf das Schwerste ramponiert. Sind Ökologie und Ökonomie oder Kapital und Klima versöhnbar und wen ja wie? Gibt es im System des globalen, neoliberalen Wchstumskapitalismus dafür Lösungen oder muss es dafür andere Betriebssysteme geben?
Und werden sich diese Übergänge friedlich oder kriegerisch vollziehen?
Vgl. dazu auch unter Manifesto die detaillierten Ökologie-Informationen des mli.
 

8.5. Risikofeld: Technik
Auch das Themenfeld Technik gehört nicht zu den ursprünglichen Kompetenzbereichen des mli. Aber im Zeitalter einer digitalen und ökologischen Transformation aller Welt- und Gesellschaftsbereiche sind technische Entwicklungen ebenfalls so folgenschwer und auswirkungsreich, dass abgeschätzt werden muss in welche Richtung die technischen Entwicklungen mit welchen Folgen driften. Es gab zu allen Zeiten Skeptiker oder eindringlche Warner vor den Gefahren durch selbstverursachte, technischen Havarien, wie Ernst Jünger, Günther Anders, Hans Jonas und andere mehr.
Wenn uns nun die Technik in diverse Havarien hineintechnologisiert hat, dann stellt sich die Frage, ob sich die Mensheit ohne Technik aus diesen Havariedillemata heraustechnologisieren könnte, oder ob es dazu gerade die oder eine andere Technik braucht. Es scheint klar zu sein, dass sich die Menschheit und das globale Betriebssystem in einer großen technisch, digitalen Transformation befindet, völlig unklar scheint aber zu sein mit welchen Mitteln in welchem Tempo, über welche Zeiträume, in welchen Richtungen und zu welchen Zwecken und Zielen durch welche Steuerungen oder Driftings sich diese große Transformation bewegen wird und was die gesellschaftpolitischen Wechsel- und Rückwirkungen auf die anderen Risikofelder es geben wird.


 

8.6. Risikofeld: Migration
Seit den antiken Völkerwanderungen waren die nordwestlichen Industriegesellschaften und ihre feudalen Vorläufer jahrhundertelang durch den Export von Imperialismus und Kolonialismus und den Import von Ressourcen aus der sgn. dritten Welt vor Migration und Wanderungsbewgungen geschützt.
Durch die Globalisierung und ihre Medien- und Fernverkehrstechnologienl ist nun eine Gegenerreichtbarkeit eingetreten.
Aus wirtschaftsschwächeren, aber bevölkerungsdichten Räumen dringen Einwanderer unkontrolliert, insbesondere in die überalterten, europäischen Räume ein.
Darüber, wie damit politisch verfahren werden soll, ist die Bevölkerung der europäischen Länder der EU tief gespalten. Die Regierungen vieler Länder der EU, insbesonder die deutsche Regierung fördern diese Einwanderungsprozesse.

 

8.7. Risikofeld: Religion
Bereits 1916 wurde von dem marxistischen Philosophen Georg Lukács in tiefem Pessimismus durch den ersten Weltkrieg und eine säkularisierten Sinnentleerung die transzendentale Heimat-, Obdach- und Orientierungslosigkeit in einer gottverlassenen Welt diagnostiziert.
Während die christlichen Kirchen weiterhin an Mitgliedern verlieren, haben sich in den nordwestlichen Industrie- und Wissensgesellschaften die sinnstiftenden Fragen und die Antworten auf die letzten Dinge auf psychologische oder esoterische und andere obskure Felder verlagert.
Im globalen muslimischen Korangürtel sind gegenteilige Entwicklungen im Gange.
Dies wurde durch Salman Rushdi's Verurteilung zum Tode auf Grund seiner 1988 publizierten Satanischen Verse durch den damaligen iransichen Präsidenten Chomeni sichtbar. Ebenso wie die 2005 global inszenierten und gewalttätigen Ausschreitungen auf Grund einer Publikation der zwölf Mohamed Karrikaturen im dänischen Jyllands-Posten. In  Folge dieses „Karikaturenstreites“ fand 2011 ein Brandanschlag und 2015 der Mordanschlag auf die Pariser Satire-Zeitschritf Charlie Hebdo statt.
2015 fast einhundert Jahre nach Lukacs Diagnose sind durch diese unheilvollen Entwicklungen und die Migrationsströme der weiteren eingewanderten Muslime und insbesondere den politischen Islam oder den Islamismus religiösen Fragen und ihre fatalen Rückwirkungen auf das gesellschaftspolitische Klima wieder in das Zentrum der hochpolitisierten gesellschaftlichen Aufmerksamkeit, Auseinandersetzungen und Spaltungen gerückt.
M.a.W. die Psychotherapeuten, (Organisations-)Berater und Coaches sind gut beraten, wenn sie sich sowohl von den religiösen, wie den spirituellen und den gesellschaftspolitischen Seiten mit dem Thema Religion für ihre Beratungsprozesse befassen.
 

8.8. Risikofeld: Mediokratie

Kommt bald