„Züchtige deine Leidenschaften, damit du nicht von ihnen gezüchtigt wirst.“
Epiktet
(um 50 - 138 n. Chr.)

"Durch Vernunft sind die Wenigsten zur Vernunft gekommen." Montesquieu

Stoanon ist ein Modell zur professionellen Bemeisterung emotionaler Abläufe, wie kurzfristige Affekte, schwankender Stimmungen, intuitiver Gefühle und drängender oder begehrender Triebe. Emotionen kann man als hirn- und körperphysiologisch tief verankerte Steuerungs- und Entscheidungsreaktionen beschreiben, die intuitiv und schnell die sozialen Distanzen regeln. Es wird jeweils unbewusst und blitzschnell entschieden, ob andere Personen sympathisch oder unsympathisch sind, ob man ihnen vertraut oder nicht, ob man ihnen offen oder nur mit Vorsicht oder gar Misstrauen gegenübertritt.

Funktion von Emotionen in vorzivilisierten Frühzeiten
In den vorzivilisierten, frühzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaften musste bei Begegungen mit Unbekannten häufig über den existenziellen Ernstfall entschieden werden. Es musste blitzschnell entscheiden werden, ob es zu einer freundlichen Begegung kommen könnte, ob es Tausch- oder Handelspartner werden könnten, oder ob es Beute- oder Territoriumskonkurrenten sein könnten und ob deshalb Brut- oder Revierverteidigung angezeigt sein könnte. Sollte man sich sicherheitshalber verstecken, oder greift man vorsichtshalber an und überwältigt oder tötet die andere Person/en, oder ist die Person ein begehrenswerter Partner zur geschlechtlichen Reduplikation?
Es war sozusagen zwischen Brutherstellung, Brutpflege und Brutverteidigung immer über die existenziellen Grundfragen von ‘Make Love and (not) War‘ zu entscheiden.
Die Ur-Muster und automatisierten Matrizen dieser unbewussten, blitzschnellen, emotional-intuitiven Abstandsentscheidungen bei sozialen Begegnungen laufen in der Tiefenstruktur bei sozialen Begegngen in der heutigen Zeit noch genauso ab wie in der vorzivilisierten Frühzeit, nur werden sie meistens nicht in entsprechende Handlungen umgesetzt.

Funktion von Emotionen in der heutigen emotionalen Komplexität
Wenn die vorherigen Hypothesen zutreffend sein sollten, dann ist in den heutigen, hochflexiblen und häufig kulturübergreifenden Arbeits- und Lebenswelten zunehmender sozialer Komplexität eine professionelle Bemeisterung der Emotionen unumgänglich. Es gilt, die emotionalen Äußerungen der sozialen Benutzeroberflächen auf ein Minimum zu reduzieren, da sich ständig andere Teams und Gruppen bilden, in denen Menschen plötzlich mit anderen wenig oder unbekannten Menschen zusammenarbeiten sollen oder müssen. Diese Zusammenarbeit in Gruppen darf nicht durch die Äußerung erkennbarer oder heftiger Emotionen negativ vorformatiert werden, sondern sollte daher unauffällig, freundlich glatt geschliffen und breitflächig kopplungsfähig sein.

Weitere paradoxe Anforderungen bzgl. Emotionen
Gleichzeitig gilt es aber auch, dass man in seiner emotionalen Tiefenstruktur nicht standardisiert, schablonisiert oder stumpf wird, sondern die Emotionen der Personen mit ihren Positionen, Zielen und Absichten schnell und zutreffend einschätzen, prüfen und mglw. rechtzeitig durchschauen kann, obwohl die Emotionen nur noch eine minimierte erkennbare Benutzeroberfläche haben. Diese Einschätzungen sind notwendig, um dann in den Gruppendynamiken der Ziel-, Ressourcen-, Konkurrenz- und/oder Karrierewettläufen seine strategischen Vorteile wahren zu können.
Das würde bedeuten, dass die Beteiligten sowohl den Ablauf und die Einflüsse der eigenen als auch der Emotionen der anderen Teammitglieder als ständige Subtexte mannigfaltiger sozialer Abstands-, Strategie- und Zielregulierungen erkennen, reflektieren und strategisch steuern können sollten.
Es kommt weiter hinzu, dass heute gerade in der politischen Kaste die emotionalen Ambivalenzakrobaten aus den Selbstbereicherungsverbünden ihre Interessen und Ziele hinter glattgeschliffenen Emotionen und unglaubwürdigen Phrasen aus Textbausteinen zu verbergen versuchen. Diese Strategien rufen heute Unglaubwürdigkeit, Ablehnung und Zorn hervor.
Daher ist man gut beraten, nicht nur glattgeschliffene Standardemotionen abzusondern, sondern auch autenthisch zu wirken und seine Ziele, Interessen und Standpunkte deutlich werden zu lassen und keine sozial erwünschten, emotionalen Benutzeroberflächen von einer buntschillernden Farblosigkeit anzubieten.

M.a.W. eine an der Stoa orientierte Bemeisterung von Affekt, Stimmung, Gefühl und Trieb muss flexibel und gleichzeitig wiedererkennbar und einschätzbar zwischen ständigen widersprüchlichen Anforderungen lavieren und entscheiden. Und das muss zielorientiert und teamkompatibel mit hoher Geschwindigkeit unter Zeit- und Entscheidungsdruck bei hoher Zuverlässigkeit in Situationen von zunehmender sozialer Komplexität umgesetzt werden.
Das ist in der Tat schneller gesagt als erfolgreich realisiert. Grund genug, dazu einige Reflexionen anzustellen.
Stoanon liefert dazu erkenntnisstiftende Theorien und praxisbewährte Werkzeuge.