Heterodoxe Ökonomie

„Die  Gedanken  der  Ökonomen  und  Staatsphilosophen,  sowohl  wenn  sie  im  Recht,  als  wenn  sie  im  Unrecht  sind, sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird. Die Welt wird in der Tat durch nicht viel anderes beherrscht.“ John Maynard Keynes

„Ohne Wirtschaftlichkeit schaffen wir es nicht, ohne Menschlichkeit ertragen wir es nicht.“ Alfred Herrhausen

„Durch Vernunft sind die Wenigsten zur Vernunft gekommen.“ Montesquieu

Alfred Herrhausen wurde nicht ohne Grund in die ewigen Jagdgründe katapultiert, seine ökonomischen Vorstellungen entwickelten sich nicht mehr in Richtung der damaligen Plutokraten. Der Mord an Herrhausen bleibt bis heute unaufgeklärt. Für die RAF war die Bombenauslösung seiner ‘Katapultbestattung‘ wohl etwas zu professionell konstruiert.
So oder so stehen und fallen alternative Gesellschaftsmodelle auch mit anderen, alternativen ökonomischen Modellen. Denn, wenn wir bald zehn Milliarden auf diesem Globus sind, dann sind die bisherigen Wirtschafts-Wachstums-Modelle mit angeschlossenem, real existierendem Konsumismus Unfug. Stephen Emmott hatte das 2013 in seinen „Zehn Milliarden“ zusammengefasst. Der Earth Overshoot Day war bis 1971 ausgeglichen. 2018 war der Overshoot Day bereits am 1. August erreicht, seit dem häufen wir auch auf diesem Feld ein enormes Schuldenpotenzial an. Am Jahresende wird der Wert bei 1,7 Globen liegen. Die digitalen Jedi Ritter des Silicon Valley würden vmtl. vorschlagen, die Erde mit einem planetarischen 3D Drucker zu reduplizieren. Eher über kurz denn lang werden die ökologischen Fragen alle anderen Fragen (Freiheit, Flüchtlinge, Gerechtigkeit, Armut) dominieren. Willkommen in interessanten Zeiten.
 

Für eine nachhaltige Postwachstumsökonomie im DACH Raum steht wie kein Zweiter der Volkswirt Nico Paech, er ist sozusagen der Erfinder dieser Konzepte. Der Katholik Paech setzt neben harter, empirischer Forschung in seinem Lebensstil auch noch um, was er wissenschaftlich ‘predigt‘. Katholiken haben bisweilen einen interessanten Hang zu einem lebenspraktischen Konsequentialismus jesuitischer Prägung. Paech kritisiert den realexistierenden Konsumismus, die Konsum Verstopfung und den Konsum Burnout, er spricht von Wohlstandsdämmerung, wie wahr. Er empfiehlt die Befreiung vom Überfluß. Zur ‘Abstrafung‘ seiner Forschungen und Thesen ist er deshalb trotz seiner wissenschaftlichen Leistungen bisher nur apl. Professor geworden. Dabei bräuchte es viele Lehrstühle dieser Fassong und ökolgische Ökonomen seines Kalibers. Paech hat auch festgestellt, wo das ökologische Bewusstsein am weitesten vorangeschritten ist. Die ‘Einsparungen‘ eines ökolgischen Lebensstils werden gleich wieder durch umweltschädliche Zusatzverbräuche vernichtet. Paech hält es auch nicht für möglich, dass in einer Demokratie irgendeine Partei mit irgendeinem Verzichtsprogramm reüssieren könnte. Die GRÜNEN haben mit ihrem Veggiday und vergleichbaren Dönnekens entsprechende Erfahrungen gemacht. Z.Zt. ist Paech in Siegen am Masterstudiengang Pulare Ökonomik zugange. ENDE SEPTEMBER 2018
 

Plurale Ökonomik
Viele alternative Wirtschaftsentwürfe wie bspw. von Wallerstein über Vater u. Sohn Galbraith bis Marx konnten sich gar nicht erst durchsetzen oder sind grandios gescheitert. Vielleicht zeigt die Plurale Ökonomik einen neuen utopischen Ausweg auf. Oder sind das auch nur wieder Parallelwelten einer grünen Pippi Langstrumpfwelt? Auch das ökonomische Donut Modell von Kate Raworth ist ein interessanter Ansatz. Hier trägt man bei der Böll Stiftung vor.
Aber machen wir uns nichts vor, so oder so werden die Interessen der globalen Eliten und ihrer plutokratischen Netzwerke und Konzerne nicht aus Vernunft zur Vernunft kommen, dazu wird es flügelübergreifende politische Kräfte brauchen, siehe Herrhausen. AUGUST 2018
 

Ten Years After war Ende 1967 eine Blues Rock Formation um Alvin Lee. Heute ist das eine Chiffre für das unbewältigte Desaster der Finanzkrise 2008. Mitte September stellt auch Daniel Stelter, Kollege von Max Otte, die Systemfrage. Da aus der Finanz- bzw. Schuldenkrise 2008 weder etwas gelernt wurde, noch die Verantwortlichen bestraft wurden, sondern die Schulden weiter gestiegen sind. Wann kommt der nächste Minsky-Moment, fragt Stelter?
Der heterodoxe Ökonom Helge Peukert  analysiert den gleichen Schlamassel. ‘DBDDHKPUKKU‘ (Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge) hieß es früher. Bei der unbewältigten Finanzkrise handelt es sich aber nicht um eine ‘Krankheit aus Dummheit‘, sondern um einen politisch geplanten Umverteilungsraubzug der neoliberalen Plutokraten von Unten und Mitte nach Oben. Die offensichtliche Tiefenstruktur der staatlichen Bandenkriminalität als politisch organisierte, neoliberale Betrugsgesellschaft.