Zum Thema Redefreiheit

Redefreiheit

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Pastor Martin Niemöller (1892-1984)

„Man kann sehr wohl wetten, dass der (aufgeklärte) Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.“ Michel Foucault, 1974

„Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen.“
Ernest Hemingway (1899-1961)


„Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“ Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956)
 

Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung. R. v. Weizsäcker (1920-2015)

Das leichtfertige Verspielen der Redefreiheit im systemischen Feld
Der australische Philosoph Peter Singer steht wegen seiner Thesen zur Ethik seit über zwanzig Jahren im Kreuzfeuer von Auseinandersetzungen. Dadurch wurde er gleichzeitig und ungewollt zu einer Symbolfigur für Redefreiheit und gegen Political Correctness. Was darf heute noch öffentlich zu wissenschaftlichen Positionen gesagt werden? Deshalb sollen hier nicht die inhaltlichen Positionen der Ethik von Peter Singer nachgezeichnet, sondern die gravierende Einschränkung der Redefreiheit im systemischen Feld aufgezeigt werden, denn die grundgesetzlich ‘gesicherte‘ Redefreiheit (Artikel 5) wurde 1996 in Heidelberg durch eine Ein- und Ausladung von Peter Singer leichtfertig und aus Profitgier verspielt.
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Schicksalsjahr 1989
Der britische Historiker Timothy Garton Ash hat 2016 ein Buch zur Redefreiheit in der globalisierten Welt veröffentlicht und eine robuste Zivilisation gefordert, die kränkungsresilient ist. Ash führt die Bedrohung der Redefreiheit auf 1989 als das ‘Schicksalsjahr‘ der westlichen Werte zurück. (Start des WWW, Mauerfall, Fatawa des Ayatolla Chomeini gegen Salman Rushdi, Aufstand am Tian’anmen-Platz in Peking). Für Ash ist das Grundrecht der Redefreiheit eines der zentralen Element des Westens. In diesem Gespräch in den Sternstunden der Philosophie erläutert Ash seine Standpunkte. Zur Verteidigung der Redefreiheit hat er die Plattform freespeechdebate.org gegründet.
MÄRZ 2019
 

Der Westen am Abgrund

„Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ George Orwell

Der schottische Historiker Nial Ferguson spricht in den Sternstunden Philosophie über die sechs ‘Killerapplikationen‘ des Westens als die Voraussetzungen der Erfolge des Westens und insbesondere Europas. Ferguson sagt aber sehr deutlich, dass und warum der Westen heute am Abgrund steht. In seinem Gespräch schneidet Ferguson auch die Frage an, welche Weltordnung sich global durchsetzen könnte, die europäische, die amerikanische, die chinesische oder die islamische. Ferguson plädiert für die europäische Weltordnung. Er schätzt, ebenso wie sein Kollege Ash, die Freiheit der Rede und die Freiheit der Wissenschaft als die zentralen ‘Killerapplikationen‘ Europas ein.
Im März '19 gibt Ferguson der NZZ ein Interview, in dem er den offenen akademischen Streit jenseits des kulturmarxistischen Mainstream für tot erklärt.
Ob Ferguson als Biograph des Nobelpreisträgers Henry Kissinger dessen diverse Kriegsverbrechen, wie Christopher Hitchens meint zu positiv einschätzen wird, wäre dann noch eine andere Frage, die die Zukunft entscheiden wird. Juni 2018, März 2019 ergänzt.
 

Konformitätsdruck
und Konsenzzwang

Nicht nur das mli sieht das Grundrecht der Redefreiheit durch die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre auf vielfachen Ebenen als gefährdet an (vgl. auf der Berufsverbandsebene bspw. Querfront-Affäre in der DGSF). In Deutschland wird z.Zt. versucht, politisch fundierte und differenzierte Kritik am Mainstream pauschal als rechtsradikale Hass-Rede, (w)irre Verschwörungstheorien, Heimatfeindlichkeit, Anti-Semitismus oder Populismus umzudeuten. Eine Debattenkultur, nicht nur auf der parlamentarischen Ebene, scheint entschwunden zu sein, meint zumindest Max Otte und der Historiker Nial Ferguson begründet, warum es um die Redefreiheit schlecht bestellt ist.
Ein aktuelles Beispiel, wie es 2018 um die Redefreiheit in Deutschland steht, berichtet Henrik M. Broder.
Was die Rede- und Meinungsfreiheit u. die nicht vorhandene journalistische Sorgfalt im politischen Teil der Wikipedia anbetrifft vgl. die Beiträge von M. Fiedler u. D. Pohlmann.
Im April 2019 berichtet die Bürgerechtlerin Vera Lengsfeld über Hetzkampagnien der ‘AntiFa‘ gegen ihre Person.
APRIL 2019