Repressionen

Auf das engste mit der bedrohten Redefreiheit verbunden, ist der rasante Anstieg von Repressionen, ein Anstieg der sekundären, scheinbar sanften bzw. unmerklichen gesellschaftlichen Repressionsapparate. Dies sind die Bürokratie, die Psychiatrie und das Gefängniswesen.
 

Zur Funktion der Psychiatrie

„Deshalb haßte er auch niemanden so inbrünstig wie die Psychiater, die glaubten, sein ganzes schwieriges Wesen mit ein paar Fremdworten abtun zu können, als wäre es für sie eine alltägliche Sache.“ Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Das mli ist aus dem psychotherapeutisch orientierten Gesundheitswesen hervorgegangen und hat damit auch eine fachliche Nähe zur Psychiatrie. Daher ist das mli gut beraten, sich vom psychiatrischen Mainstream zu distanzieren, insbesondere nach den Psychiatrie Erfahrungen von Hrn. Mollath. Eine Kritik der Psychiatrie aus dem systemischen Bereich ist leider aus kommerziellen Gründen getilgt worden.
Hingegen beschreibt der amerikanische Kollege Bruce E. Levine im ‘Rubikon‘ die ebenso illegitime, wie autoritäre Tiefenstruktur der Psychiatrie u.a. mit Bezug auf den ‘Antipsychiater‘ Thomas S. Szasz. Peter-W. Gester hatte vor vielen Jahren die Gelegenheit, an einem sehr eindrücklichen Seminar von Thomas Szasz teilzunehmen. Levine sieht die Psychiatrie als Erfüllungsgehilfe der jeweils herrschenden Machtstrukturen. Dementsprechend ist die Psychiatrie immer wieder unheilvolle Allianzen mit dem Tiefen Staat eingegangen und das nicht nur in autoritären Regimen. Der Fall Mollath offenbart Aspekte des Zusammenwirkens von Psychiatrie und Tiefem Staat. Da Levine's Buch noch nicht erschienen ist, kann z.Z. noch nicht beurteilt werden, inwieweit Levine auf die Quellen von H. Ploppa „Hitlers amerikanische Lehrer“ Bezug nimmt.
Levine's Kritik verbindet sich auf das Trefflichste mit dem Rebellienz-Konzept. Das Rebellienz-Konzept beruft sich u.v.a.a. auf die Anti-Psychiatrie bis hin zum Sozialistischen Patienten Kollektiv, dessen Motto es war: „Die Krankheit zur Waffe zu machen“. Es sei in diesem Zusammenhang auch Michel Foucault und seine Bedeutung für die mli Brands Identicon und an Gilles Deleuze und Félix Guattarie für die Mannigfaltigkeit erinnert. SEPTEMBER 2018
 

Zur Funktion des Gefängniswesens
Auch hier sei zuerst wieder wieder an die klassischen Arbeiten von Michel Foucault erinnert. Angela Davis führt in den USA seit jahren einen heroischen Kampf gegen das ausufernde und zunehmend privatisierte Gefängnissystem. Dieses System ist nicht auf Resozialisierung, sondern auf Profit der Shareholder angelegt. Dass die Profiteure des Gefängnissystems häufig die urteilssprechenden Richter und Justizbeamten und die Politiker sind, die die Strafgesetze verschärfend nachtunen, zeigt schon die ganze pervertierte Funktion dieses Systems.
Die Forschungen des französischen Soziologen Loïc Wacquant bauen auf den Arbeiten von Foucault, Bourdieu und Goffmann.. Wacquant analysiert den Zusammenhang zwischen Ethnien und Rassen sowie die Zusammenhänge und Unterschiede der amerikanischen Hyper-Ghettos und der französichen Banlieus, die als großstädtische Randexistenzen abgedrängt und anschließend kriminalisiert werden. Wacquant beschreibt in erster Linie nicht die Bewohner und deren Habitate, sondern die institutionellen Mechanismen und den den politisch gewollten, mehrstufigen, strukturellen Prozess der Ausgrenzung des postindustriellen Prekariats. Wacquant macht auch deutlich, dass diese politisch gewollten Strukturen in der Tiefenstruktur des Finanzkapitalismus wurzeln. Stigmatisierende Ortseffekte sind auf die Stadt projektierte politisch indentierte Staatseffekte, als neue Experimentierräume gleichzeitiger Stigmatisierierungs- und Repressionslaboratorien.
Dieses führt jenseits der Wirtschaftskraft einzelner Individuen zu einer tiefenstrukturellen Ökonomieschwelle, ganze Straßenzüge werden wegen nicht hinreichender Kreditscores des Territoriums bspw. von der Online Ökonomie abgekoppelt. Dass diese desaströsen Gesamtentwicklungen markanter Stadträume, als ethno-rassische Sonderräume, die eher einem Flüchtlingslager und Gefängnis gleichen als einem lebenswerten Stadtraum, nicht zu positiven Identitäts-, Habitus- und identifikatorischen Heimatkonzepten oder Bürgerschaftsgefühl der Bewohner führen, versteht sich von selbst. Damit liefert Wacquant eine analytische Struktur der Stadtentwicklung von unten, wie sie bspw. von David Harvey aus der Logik des Turbokapitalismus beschrieben wurde.

Quellen