Gelbe Westen

Der Aufstand der Gelben Westen
Nach vorherigen Protestbewegungen, wie den Bonnets Rouges in der Bretagne oder La France Insume, gingen am 17.11.2018 die Gelben Westen erstmalig in Frankreich auf die Straßen, seitdem sind sie unterwegs bzw. haben festen Posten und Zelte bezogen, die häufig 24/7 besetzt sind. Die Proteste entzündeten sich zunächst an der geplanten Erhöhung der Kraftstoffsteuer, die dann vorerst zurückgenommen wurde. Wer zur Winterzeit 24/7 auf der Straße ist, muss gravierende Anliegen haben.
 

Zu Beginn der Bewegung
In Saint-Dié-des-Vosges wurde die gesamte Stadt und die Umgehungsautobahn von den Gelben Westen blockiert (siehe Photos). In sehr vielen Fahrzeugen sieht man als Sympathiebezeugung der Bevölkerung bis heute gelbe Westen auf dem Amaturenbrett. Durch die Zerstörung fast aller Blitzanlagen entlang der Straßen hatten die Gelben Westen bei der Bevölkerung weitere Sympathiepunkte eingefahren. Die Einführung von 80km Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen ab Juli 2018 war ein weiterer Grund, der die Franzosen in rasende Wut versetzt hatte. Die Politik hatte das trotz deutlicher Warnungen umgesetzt.
Was wollen die Gelben Westen?
Eine zentrale Forderung der Gelben Westen war und bleibt der Rücktritt von Macron als Symbolfigur des breite Bevölkerungsschichten verarmenden und unterdrückenden Neoliberalismus. Die Gelben Westen wollen ‘das ganze Baguette‘ und nicht nur die Krümel davon. Das ist eine deutliche Absage an das unsägliche neoliberale Zentralnarrativ der ‘Pferdeäpfel und Spatzen‘ Metapher bzw. der Trickle-Down-Theorie. Es war zudem ein Aufstand des peripheren Frankreichs gegen das Zentrum und gegen die Parallelgesellschaften der neoliberale Politeliten. Édouard Louis versteht die GW als Aufstand der bisher Sprachlosen.
Ruhepause zur Weihnachtszeit
Um die Weihnachtszeit zogen sich die Gelben Westen zurück, im Januar ging es dann ausgeruht weiter.
In ganz Frankreich kam es zu Demonstrationen und an den Samstagen gibt es seitdem in Paris große Demonstrationen und vorbürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften, die per Live Stream übertragen werden. Die Ordnungskräfte, von denen sich Teile mit den Forderungen der Gelben Westen solidarisiert hatten, wurden von E. Macron angewiesen, mit äußerster Brutalität gegen die Gelben Westen vorzugehen, was erhebliche Verletzungen und Invalidisierungen bei den Gelben Westen zur Folge hatte. Die Gelben Westen konterten das mit einer intelligenten Plakatkampagne, die Politfisagen mit Verletzungen durch die Polizei zeigten.
Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland
Während Frankreich demonstrierte, wurde in Deutschland lamentiert, oder es wurde versucht, die Gelben Westen als nicht legitimen Aufstand zu demontieren und schnell wieder in die Sprachlosigkeit zurückzukatapultieren.

Gescheiterte Reconquista
Macron und seine Vasallen, die in den ersten Wochen des Aufstands völlig gelähmt waren, schwiegen und nicht reagierten, entwickelten dann die Idee einer Reconquista qua Bürgerdialogen, die aber schon im Ansatz scheiterten.
Die Konturen des Tiefen Staates in der Fassadendemokratie wurden durch Geheimaktionen und False flag Aktionen sichtbar, damit wird die Fortsetzung des Ausnahmezustands und eine Einschränkung des Demonstrationsrechts begründet.
Zusammenfassende Einschätzungen
Schon 2018 erschien eine prognostische Analyse des französichen Geographen Christoph Guilluy über die fundamentale Spaltung Frankreichs, die bald explodieren wird. Im Januar '19 erschienen zusammenfassende Beiträge über die Gelben Westen von Armin Dutine und dem Undergrundblättle und im Februar ein Interview mit Didier Eribon, Geoffroy de Lagasnerie und Edouard Louis über ihre Einschätzung der Gelben Westen.
Und die Zukunft?
Wenn man mit Franzosen der unterschiedlichsten Bevölkerungs- und Altersklassen spricht, was das mli häufig macht, dann sind die zusammengefassten Einschätzungen etwa so, dass die Bewegung im Sommer zur Ferienzeit mit großen Straßenblockaden zu einem neuen Schlag ausholen könnte, mtlw. arbeiten die Gelben Westen an einer Generalversammlung.
März 2019

Ps.:
Im ‘Denkmalverein‘ (DV) seiner Heimatstadt Plettenberg, in dem Peter-W. Gester seit einigen Jahren mitarbeitet, kam es im Januar '19 zu einem denkwürdigen Vorfall, den man als symbolische Verdichtung einer häufig anzutreffenden Einstellung gegenüber den Gelben Westen in Deutschland und einer sich verstärkenden kulturellen Spaltung der deutschen Gesellschaft verstehen kann.
PWG wurde im Rahmen des DV gebeten, aus erster Hand über seine vielfältigen Erfahrungen mit Gelben Westen zu berichten. Daraufhin begann alsbald ein Vorstandsmitglied laut zu ‘schwadronieren‘, dass die Gelben Westen und der ‘Franzose an sich‘ insgesamt faul und arbeitsscheu sein würden. Diese Äußerungen und der Tenor, in dem diese Äußerungen wiederholt getätigt wurden, muss leider ohne Wenn und Aber als rassistisch und chauvinistisch bezeichnet werden. Es kommt hinzu, dass dieses Vorstandmitglied von den weiteren Vorständen des gemeinnützigen DVs bis heute weder schriftlich abgemahnt, noch schriftlich zur Ordnung gerufen wurde. PWG möchte nicht Mitglied in einem gemeinnützigen e.V. sein, in dem sich ein Vorstandsmitglied in einer öffentlichen Gaststätte durch lautstarke, rassistische und chauvinistische Äußerungen hervortut. Aufgrund dieser geduldeten  Äußerungen hat PWG seine langjährige Mitgliedschaft im Denkmalverein gekündigt.
Es stellt sich weiter die Frage, wie der Vorstand des Denkmalverein die Duldungstäterschaft rassistischer und chauvinistischer Äußerungen mit seinen Satzungszielen vereinbaren kann und ob er dadurch nicht auch seine Gemeinnützigkeit leichtfertig zur Disposition stellt? Wie man berechtigte Kritik an der neoliberalen, französischen Adminstration ohne Chauvinismen übt, kann man bspw. hier nachlesen.