Zur Entwicklungsgeschichte der Stimmanalyse
Seit 1984 entwickelten der Gambenspieler, Kirchenmusiker und Komponisten Niklas Trüstedt und Peter-W. Gester die Stimmanalyse. Während dieser langen Jahrzehnte der Zusammenarbeit wurde die Stimmanalyse transdisziplinär zwischen Handwerk, Kunst und Gesellschaftstheorie angesiedelt.
Seit dem  Stimmanalyse-Seminar 2016 hat sich Niklas Trüstedt (leider!) aus Altersgründen zurückgezogen, da er sich auf die Fertigstellung seines umfangreichen, musikalisch-kompositorischen Werkes konzentrieren möchte. Daher wird die Stimmanalyse ab Herbst 2022 in neuer Form fortgeführt.

Die völlig singulären, stimmanalytischen Fähigkeiten des inselbegabten Niklas Trüstedt beinhalten zwei Zentralhypothesen:
Das Obertonprofil der Stimme ist der sowohl zeitstabile, als auch situationsabhängig dynaxisch fluktuierende akustische Fingerabdruck eines Menschen.
Die beiden zentralen Hauptanalyseparameter einer Stimme liegen im kurz- und langwelligen Frequenzbereich.
Kurzwellig: Oberton bzw. Formantenprofil einer Stimme.
Langwellig: Körperresonanzstruktur einer Stimme.
M.a.W. das klangliche Obertonprofil einer Stimme einschließlich der Körperresonanzstruktur kann man somit als die akustisch geronnene und gleichzeitig dynamisch fluktuierende Persönlichkeits- und Körperresonanzstruktur sowie stimmklanglich geronnene Biographiegeschichte und Lebenswelt einer Person verstehen.

Vergleich mit den ‘minimal cues‘ der Ericksonschen Hypnotherapie
In der Ericksonschen Hypnotherapie spielt die Wahrnehmung schwacher Signale, der "minimal cues" (Atem, Hautverfärbungen, ideosensorisische und ideomotorische Veränderungen), eine wichtige Rolle zur Steuerung von Tranceprozessen. In der Alltagskommunikation sowie Beratungs-, Therapie- und Moderationsgesprächen oder Geschäftsverhandlungen ist die Wahrnehmung dieser schwachen Signale schwieriger, da die Personen im Wachbewusstsein sind und sprechen, gestikulieren und sich dabei weniger oder mehr bewegen.
Dafür beinhaltet im Wachbewusstsein der Stimmklang die schwachen Signale zur Dekodierung der physiologischen Spannung, der emotionalen und der Stressbeteiligung sowie der emotionalen und biographischen Tiefenstruktur. Voraussetzung ist, dass man die schwachen, im Klang der Sprech- und Singstimme enthaltenen Signale wahrzunehmen und zu dekodieren versteht.
Jenseits der dynamischen aktuellen Hinweise in einem Gespräch kann man bei Mehrpersonengesprächen von dem individuellen und zeitstabilen Klang einer Stimme auf die Tiefenstrukturen in der Beziehungskonstruktion der jeweiligen Sprecher schließen und dadurch Beratungs-, Moderations- und Therapiegespräche besser steuern. Bei fast allen Beratungskonzepten des mli ist die Stimmanalyse zur Wahrnehmung und Dekodierung schwacher Signale bei der Geprächssteuerung ein unverzichtbares Werkzeug.
Dadurch werden Türen zu neuen Wahrnehmungsräumen aufgeschlossen und neue Horizonte in der akustischen Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit ermöglicht.

Sinn und Zweck der Stimmanalyse
Stimmanalytische Wahrnehmung schwacher Signale fördert, beschleunigt und präzisiert inhaltsunabhängig die Intuition, Exploration, Navigation, Hypothesenbildung und Prozesssteuerung in jeder Art von Gesprächen.  Hierfür werden in diesem Workshop die Ohren geöffnet, die theoretischen Grundlagen erläutert sowie Übungsbeispiele und Trainingsmethoden dargestellt.

Da die Stimmanalyse weder eine Hokuspokus-Methode noch ein Voodoo- oder Schlangenöl-Verfahren und nicht nur eine Kunst ist, sondern insbesondere auf solidem Handwerk in der akustischen Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit beruht, wird sie am einfachsten durch wiederholt angewandtes Üben erlangt und verbessert. Deshalb darf man sich von einem Training in der Stimmanalyse keine Wunderkur versprechen an dessen Ende man die Kunst der Stimmanalyse beherrschen würde.

Erstaunliche Savants
In den bisherigen Stimmanalyse Veranstaltungen brillierter der ‘akustische erstaunliche Oberton-Savant‘ Niklas Trüstedt als Inselbegabter mit seinen Fähigkeiten zur Obertonanalysen von Stimmen und dbzgl. Rückschlüssen auf die Persönlichkeitsstruktur der Stimmeigner. Nur gilt es nach einigen Jahrzehnten die ernüchternde Feststellung zu treffen, dass die Fähigkeiten von Savants - und so auch in diesem Falle die Stimmanalyse personengebunden und bisher leider nicht lehrbar ist.

Das Forschungsprojekt zur Stimmanalyse
Aus dieser Feststellung folgen die Aufgaben dieses Forschungsprojekt:
Sind und wenn ja wie die schwachen Signale des Stimmklanges und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf die Persönlichkeitsstruktur der Stimmeigner für Nicht-Savantes so dekodierbar zu machen, dass sie als nichtpersonengebunde Fähigkeiten lehrbar und erlernbar werden und zu guten Ergebnissen führen.
Dafür stellt das mli u.a. seine dbzgl. Präsenzbibliothek und seine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung, das ist u.a. ein digitalisiertes Stimmarchiv mit vielen Beispielen "akustischer Konserven" für Analyseübungen zur Verfügung.